Chefarzt Prof. Dr. Stephan Schickel am Teledoc-PC in der Zentralen Notaufnahme mit modernster Audio- und Videotechnik. Ab sofort ist am Mittweidaer Klinikum eine verbesserte Versorgung akuter Schlaganfälle möglich.

Chefarzt Prof. Dr. Stephan Schickel am Teledoc-PC in der Zentralen Notaufnahme mit modernster Audio- und Videotechnik. Ab sofort ist am Mittweidaer Klinikum eine verbesserte Versorgung akuter Schlaganfälle möglich.

Ein Schlaganfall ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Um mögliche Spätfolgen für den Patienten abzuwenden, gilt es, das Zeitfenster zwischen Eintreten des Schlaganfalls bis zum Behandlungsbeginn so gering wie möglich zu halten. Mit einem erfolgreichen Audit im Frühjahr dieses Jahres ist dem Mittweidaer Klinikum die Anbindung an das Teleneuromedizinische Schlaganfallnetzwerk (TNS-NET) Südwestsachsen gelungen, wodurch die wohnortnahe Schlaganfallversorgung in Mittelsachsen maßgeblich verbessert wird.

Mit Hilfe modernster Technik (Telemedizin per Video- und Audiokonferenz) werden rund um die Uhr (24 Std.) Fachärzte für Neurologie in die neurologische Untersuchung und in die Therapieentscheidung einbezogen. „Es werden akute Schlaganfälle, bei denen die Beschwerden wie beispielsweise Lähmungen nicht länger als 4,5 Stunden bestehen, von denen mit einem größeren Zeitabstand unterschieden. Die Letztgenannten konnten schon immer in Mittweida behandelt werden. Dank eines interdisziplinären und multiprofessionellen Teams ist es jetzt jedoch möglich, alle Schlaganfälle – insbesondere die Akuten – besser zu therapieren.“ erläutert Prof. Dr. Stephan Schickel*, der seit Anfang April den Fachbereich Kardiologie im Mittweidaer Klinikum leitet und maßgeblich an der Netzwerkanbindung mitgewirkt hat. So kann nach Computertomographie des Kopfes durch die Radiologen und nach fachärztlicher Untersuchung durch die Neurologen im Netzwerk innerhalb kürzester Zeit eine medikamentöse Therapie zur Auflösung von Gerinnseln in hirnversorgenden Arterien eingeleitet werden, sofern alle Voraussetzungen dafür erfüllt sind.

„Die Patienten werden dann durch hochqualifizierte Intensivmediziner betreut, bevor sie nach der sogenannten Lyse-Therapie auf einer internistischen Station die erforderliche Diagnostik und Therapie der ursächlichen Erkrankungen erhalten.“ berichtet Schickel weiter. Die Lyse-Therapie (Auflösung von Gerinnseln) ohne Zeitverzögerung (zum Beispiel durch Transport in entfernte größere Kliniken) kann Gehirnzellen retten und so das Behandlungsergebnis maßgeblich verbessern. Dazu wurden neben Einführung der neuen Technik weiterhin die Abläufe in Diagnostik und Therapie standardisiert und zeitlich optimiert.
Oberarzt Götz Bräuer ist Leiter der Stroke Unit in der Klinik für Neurologie am Klinikum Aue und hat die Aufnahme der Mittweidaer Klinik in das Netzwerk begleitet. „Das Konzept des TNS-Netzwerkes Südwestsachen ist eine telemedizinische Notfall-Triagierung von akuten schlaganfallverdächtigen Krankheitsbildern, wobei alle neuromedizinischen Fachrichtungen – Neurologie, Neurochirurgie und Neuroradiologie – in das Netzwerk eingebunden sind.“ erläutert Bräuer. Zum TNS-Netzwerk gehören das HELIOS Klinikum Aue, das Klinikum Chemnitz sowie das Heinrich-Braun-Klinikum am Standort Zwickau.

ie Aufnahme als Kooperationsklinik ist ein weiterer Meilenstein für das Mittweidaer Klinikum und die Mittelsächsische Region: „Die telemedizinische Anwendung bringt die neurologische Fachexpertise direkt zum Patienten und gewährleistet damit eine bessere medizinische Versorgung.“ so Bräuer weiter.
Die ersten Patienten konnten inzwischen bereits erfolgreich in Mittweida behandelt werden. Auch Geschäftsführer Florian Claus freut sich, dass Betroffene in Mittweida und Umgebung von der erweiterten Schlaganfall-Akutversorgung in der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH profitieren werden. „Die Telemedizin wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen. Mit der Schlaganfallversorgung nutzen wir in Mittweida die neuen Möglichkeiten und es stehen bereits neue Projekte an, wie beispielsweise die Etablierung eines interdisziplinären Tumorboards für Darmerkrankungen.“ blickt Claus voraus.

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