20 Jahre Brustzentrum in Mittweida – Chefarzt Gunnar Fischer zieht Bilanz
Im Mittweidaer Klinikum blickt man in diesen Wochen mit Stolz auf das 20jährige Bestehen des Zertifizierten Brustzentrums zurück. Im Interview beantwortet Chefarzt Gunnar Fischer die wichtigsten Fragen…
Wie hat sich das Brustkrebszentrum in den letzten 20 Jahren entwickelt?
Wir sind sehr stolz, dass es unserem Haus als relativ kleine Klinik gelungen ist, ein überregionales Brustzentrum führen zu dürfen. Nach einem Einbruch in den „Corona-Jahren“ beobachten wir seit 2022 deutlich steigende Fallzahlen bei Brustkrebs. 2025 waren es 169 Primärfälle, sprich Erstdiagnosen. Wir sind die einzige Klinik in Mittelsachsen, in der aktuell Brustkrebspatientinnen behandelt werden – auch deshalb, da es vom Gesetzgeber eine Mindestmengenvorgabe von 100 Fällen pro Jahr gibt.
Seit vielen Jahren haben wir ein stabiles Team im Haus sowie zahlreiche Kooperationspartner, mit denen wir eine gute Zusammenarbeit pflegen, insbesondere mit dem Klinikum Chemnitz, mit dem wir gemeinsam als Tumorzentrum zertifiziert sind.
Welche Behandlungsschwerpunkte bietet das Mittweidaer Brustzentrum?
Wir bieten Diagnostik wie Mammographie, Ultraschall, MRT der Brüste sowie minimalinvasive Abklärung. Nach der Fallbesprechung in unserer Tumorkonferenz besprechen wir den Befund persönlich mit der Patientin und planen die weitere Therapie – individuell und stets an den Leitlinien orientiert. Wir organisieren ggf. die Chemo-, Antikörper- bzw. Immuntherapie durch unseren Kooperationspartner. Die operative Behandlung inklusive onkoplastischer OP mit Implantateinlagen erfolgt mit zeitnaher Terminierung in unserer Klinik in Mittweida.
Muss man mit Wartezeiten rechnen?
Bei Auftreten eines neuen Befundes erhalten die Patientinnen in der Regel binnen ein bis zwei Wochen einen Termin zur Abklärung. Nach der Diagnosestellung beginnt die weitere Therapie meist innerhalb von drei Wochen.
Welche speziellen Ressourcen bietet das Zentrum zur Unterstützung?
Wir vermitteln allen Betroffenen beispielsweise eine psychoonkologische Beratung. Dies ist ein wichtiger Bestandteil im ganzheitlichen Behandlungskonzept, um mit der Diagnose Brustkrebs gleich vom ersten Moment an „aufgefangen“ zu werden, wieder Hoffnung zu schöpfen und mit der Erkrankung umzugehen.
Nach der Therapie kümmern wir uns auch darum, wie es weitergeht, sprich die individuelle Nachsorge. Für jede Patientin wird nach der Behandlung eine AHB angeboten und auf Wunsch organisiert. Nach Abschluss der Behandlung besteht jährlich oder bei Problemen jederzeit die Möglichkeit, sich in der Brustsprechstunde vorzustellen.
Welche Entwicklungen sehen Sie im Brustkrebsmanagement für die nächsten 5–10 Jahre?
Wir hoffen, dass sich unser Zentrum stabil weiterentwickelt und gehen davon aus, dass unser langjährig bestehendes Team auch weiterhin unsere Patientinnen mit der Kompetenz weiter betreuen wird.
Stichwort familiärer Brustkrebs…
Seit diesem Jahr gibt es in unserem gemeinsamen Brustzentrum mit Chemnitz eine Sprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs, in welcher wir zeitnah Termine zur Beratung und Untersuchung anbieten können.
Welche Rolle spielen Forschungsaktivitäten und klinische Studien im Zentrum?
Forschung und Studien betreffen eher die Chemotherapie. Darüber hinaus gibt es in Mittweida die Möglichkeit, dass die Patientinnen in klinische Studien aufgenommen und dann in das gemeinsame Studienzentrum des gemeinsamen Brustzentrums aufgenommen werden.
Gibt es eine Botschaft an Betroffene, Angehörige oder die Öffentlichkeit?
Besonders wichtig ist es, die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bei der niedergelassenen Frauenärztin sowie ab 50 Jahren das Mammographie-Screening aller zwei Jahre wahrzunehmen (wir arbeiten mit dem Screening sehr gut zusammen). Einmal im Monat sollte jede Frau ihre Brust abtasten und Unregelmäßigkeiten abklären lassen. Aus heutiger Sicht ist Brustkrebs in den meisten Fällen gut behandelbar, auch dank unserer Jahrzehntelangen Erfahrung. Wir sind aktuell und auch für die Zukunft gut aufgestellt.
Wie können sich Patientinnen vorab informieren oder Termine vereinbaren?
Auf der Website finden Betroffene erste Informationen zu Kontakten und unserem Leistungsspektrum. Die Terminvereinbarung erfolgt über Tel. 03727/99-1109.
Patientinnenforum am 20.10.2026
Der Chefarzt der Frauenklinik im Klinikum Mittweida, Gunnar Fischer, möchte im Rahmen des „Patientinnen-Forums“ am Dienstag, dem 20.10.2026 um 17:00 Uhr, über das Krankheitsbild Brustkrebs aufklären und darlegen, warum die Vorsorge so entscheidend ist. Er stellt zudem die hohe leitlinienkonforme Behandlung und das moderne, innovative und breite Diagnostik- und Behandlungsspektrum des Mittweidaer Brustkrebszentrums vor.
Im Anschluss an den Vortrag besteht die Möglichkeit, mit dem Experte ins Gespräch zu kommen und individuelle Fragen zu stellen. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.








